Page 49 - Peugeot ImpressYourself 2019 01
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Entspannung hat ja bekanntlich viele Ge- sichter. Die einen setzen sich mit einem Anglerhut auf dem Kopf auf einen Klapp- stuhl und warten, die Rute in der Hand,
dass ein Fisch anbeißt. Andere setzen sich mit einem In- tegralhelm auf dem Kopf auf einen Sportschalensitz und warten, das Lenkrad in der Hand, dass die Startampel auf Grün springt. Jürgen Nett, 52, Inhaber des Autohauses Nett in Mayen und Rennfahrer aus Leidenschaft, gehört zu Letzteren.
„Motorsport ist mein einziges Hobby“, sagt er. „Ich geh nicht in die Kneipe, ich mach sonst nichts. Aber Rennen zu fahren, das liebe ich. Das ist für mich Entspannung pur.“ Und das obendrein noch sehr erfolgreich. Er hat sich im vergan- genen Jahr (2018) den VLN-Titel in der Klasse SP2T gesi- chert. „Die VLN ist eine Langstrecken-Rennserie für Ama- teure auf dem Nürburgring“, erklärt er. „Und die Klasse SP2T steht für Spezial-Tourenwagen mit zwei Litern Hub- raum und Turboau adung.“
Nett fährt in dieser Rennserie seit Jahrzehnten. Zu- nächst kämpfte er in einem Peugeot 205 GTi um Platzie- rungen, seit 2016 hat er einen größeren Löwen. Seitdem startet das Team Nett im Peugeot 308 Racing Cup. 243 kW/330 PS, 1125 Kilogramm, sequentielles Sechs- Gang-Getriebe, orange-schwarze Lackierung, Spon- sorenaufkleber – und in der VLN als Konkurrent ebenso berühmt wie gefürchtet.
ERFAHREN
Die VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring, so schreiben die Veranstalter, ist die größte Breitensportserie der Welt. Neunmal im Jahr starten im Schnitt 170 Renn- fahrzeuge – von seriennahen Renntourenwagen bis zum ausgewachsenen GT3-Boliden – auf der schönsten und anspruchsvollsten Rennstrecke der Welt, der Nürburg- ring Nordschleife. Dort, in der legendären Grünen Hölle, ermitteln sie in unterschiedlichen Leistungsklassen ihren Sieger. Womit wir wieder bei Jürgen Nett wären. Denn der Motorsportfan hat den Sound der Grünen Hölle, wie Enthusiasten die Nordschleife seit dem legendären Aus- spruch von Jackie Stewart nennen, quasi mit der Mutter- milch aufgesogen. Denn Adenau, wo Jürgen Nett das Licht der Welt erblickte, ist keine zehn Kilometer von der Eifel-Rennstrecke entfernt.
„Mein Vater ist damals schon Rennen gefahren“, erzählt er. „Er hat mich als kleines Kind mit in seinen Rennwagen gesetzt und ist die Nordschleife gefahren.“ Auch als Teen- ager, sagt Nett, sei er im Rennwagen gekauert und habe sich an den Streben des Überrollkä gs festgehalten, wäh- rend der Vater Runde um Runde auf dem Nürburgring drehte. „Seitdem brauche ich keine Orientierungspunkte mehr und kann Tag und Nacht Vollgas fahren.“ Ein gewal- tiger Vorteil bei Langstreckenrennen – wenn anderen, we- niger erfahrenen Rennfahrern in der Nacht die Brems- und Einlenkpunkte abhandenkommen. Das frühkindliche Training scheint gefruchtet zu haben: Vater und Sohn Nett holten als Team im Jahr 1987 den Gesamtsieg der VLN – in einem Peugeot 205 GTi.
Der Teamgedanke wird bei den Netts sowieso großge- schrieben. „Ohne unser Team geht gar nichts“, sagt Jürgen Nett kategorisch. Und in der Tat: Knapp 20 Mann zählt das Hobby-Rennteam. Die drei Fahrer – er teilt sich das Cock- pit mit seinem Bruder Achim Nett und mit Bradley Philpot – werden von einem Dutzend Mechanikern, zwei Service- leuten, einem Personal Trainer und sogar einem Kommu- nikationspro   ankiert. „Unser Team ist der Wahnsinn“, betont Nett noch einmal. „Das sind alles Freunde und Fa- milie. Die machen das ehrenamtlich!“ Der einzige „Lohn“: Nach einem Rennwochenende sitzt man mit einer Kiste Bier zusammen in der Box und lässt die vergangenen Tage Revue passieren. Auch in der aktuellen Saison – die Renn- serie läuft seit dem 23. März – wird das Team wieder an neun Wochenenden in der Boxengasse des Nürburgrings sitzen und mit ebern, wenn die drei Piloten an den Start gehen. Jürgen Nett freut sich darauf. Aufregung? Lampen-  eber? Feuchte Hände? Keine Spur. Jürgen Nett ist vor den Rennen die Ruhe selbst. Wie gesagt: Rennen sind Entspan- nung pur.
Seit 2016 setzt Team Nett auf einen Peugeot 308 Racing Cup. Optimiert wird er „inhouse“. Im vergangenen Jahr hat Nett damit die Meisterschaft in der Klasse SP2T gewonnen
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